Wir waren an die Hochzeit meines Onkels eingeladen, die im Kosovo gefeiert wurde.
Ich war zwar noch jung, aber an diesem speziellen Tag, wollte ich mich als Mann präsentieren. Ich stand frühmorgens auf, zog mich schick und machte mir die Haare. Was noch fehlte, war ein passendes Parfum. Mein Vater hatte eines da stehen. Es roch sehr herb, aber ich besprühte mich damit.
Am Abend feierte die Hochzeitsgesellschaft in einem grossen Saal. Wie bei uns üblich gab eine Riesenparty. Der Saal war mit Discokugeln und farbigen Lichtern geschmückt. Ich war inzwischen müde und meine Augen klappten immer wieder zu. So kamen mir die tanzenden Personen wie Geister vor.
Meine Schwester erschien und forderte mich auf, mit ihr zu tanzen. Ich antwortete: „Nein, ich kann nicht tanzen, geh mit jemand anderem“. Leider kennt mich meine Schwester gut … Sie sagte: „Ich unterstelle einfach mal, dass du keine Lust hast, mit mir zu tanzen. Aber du kannst tanzen, ich will tanzen und darum gehen wir beide jetzt tanzen!“
Wir tanzten die ganze Nacht durch, sodass sich später, als ich schlief, meine Füsse immer noch bewegten.
Dieser Text ist mit den Wörtern der ABC-Etüde für den Mai 2024 entstanden, die von Christiane betreut wird. Sie lauten Geist, herb und unterstellen.
Leonis, 2024


Gefällt mir sehr gut, auch die Verwendung der drei Wörter finde ich gut gelungen.
Die Schwestern haben es meist in sich und setzen ihren Willen durch. Schöne Geschichte.