Vom Glasbläser zum Schweizer: Die Migrationsgeschichte von Toni

Wie alles begann

Ich wusste von Anfang an, dass ich niemanden aus meiner Familie interviewen kann, weil niemand aus dem Ausland kommt. Also fragte ich meine Freunde. Ajans Eltern kamen zwar aus dem Ausland, aber als Jugendliche. Nicks Mutter hat zwar ausländische Eltern, ist aber selbst in der Schweiz geboren. Deshalb passte niemand von ihnen.

Dann kam mir Robin in den Sinn. Ich frage mich bis heute, warum ich nicht gleich an ihn gedacht habe, weil ich wirklich sehr viel Zeit mit ihm verbringe. Also fragte ich ihn, ob ich jemanden aus seiner Familie interviewen könnte. Er meinte, dass sein Vater wahrscheinlich gerne mitmachen würde. Ich ging also zu ihm nach Hause und fragte direkt. Er war einverstanden, und wir machten einen Termin aus.

Vorbereitung ist alles

Wir vereinbarten einen Termin, und ich begann mit der Vorbereitung: Ich stellte rund 30 einfache Fragen zusammen, recherchierte zusätzlich online und fragte auch meine Eltern nach Ideen. Die überarbeitete Fragensammlung legte ich Frau Widmer zur Durchsicht vor. Sie gab mir hilfreiche Rückmeldungen, die ich in meine Interviewvorbereitung einfliessen liess. Um beim Gespräch nicht ständig auf mein Blatt schauen zu müssen, prägte ich mir viele Fragen ein.

Wer ist Toni?

Ich habe Anton Münkel aus Deutschland interviewt, besser bekannt als Toni. So stellt er sich auch überall vor. Auch bei meinem Vater hat er sich einfach als Toni vorgestellt. Ich wusste früher gar nicht, dass er eigentlich Anton heisst, und war ehrlich gesagt etwas überrascht.

Toni ist der Vater meines besten Freundes Robin. Ich kenne ihn schon seit über zehn Jahren. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Seine Frau kommt aus Thailand und er selbst ist halb Deutscher, halb Niederländer. Sein Vater hatte niederländische Wurzeln, seine Mutter war Deutsche.

Kindheit in Deutschland

Toni wuchs mit vier Brüdern, einer Schwester und seinen Eltern in Hundheim auf, einem kleinen Dorf zwischen Stuttgart und Köln mit rund 700 Einwohnern. Die Familie lebte einfach, aber zufrieden. Nach der Schule absolvierte Toni eine Ausbildung zum Glasbläser – ein Beruf, den er bis heute mit Leidenschaft ausübt.

Zusammen mit vier Brüdern, einer Schwester und seinen Eltern wuchs Toni in einem Dorf zwischen Stuttgart und Köln auf. Genauer gesagt in Hundheim. Toni erzählt mir, dass Hundheim ca. 700 Einwohner hat und dass es dort gemütlich ist. Es ist einer der größten Orte in der Gemeinde Morbach. Aber im Vergleich zu seinem jetzigen Zuhause ist der Ort sehr klein.

Er lebte in eher bescheidenen Verhältnissen, aber das Geld reichte für eine siebenköpfige Familie. In Hundheim begann er auch seine Ausbildung zum Glasbläser, die er erfolgreich abschloss. Er arbeitet Heute noch als Glasbläser.

Mit Mitte 20 lernte er auch seine spätere Frau kennen, mit der er nach Deutschland und später in die Schweiz zog. Er lernte sie in Thailand kennen, weil er mit seiner Familie in Thailand Ferien gemacht haben. Als sie dann etwa 1 ½ Jahre zusammen waren, zog seine Freundin bei ihm ein.

Grund der Migration in die Schweiz

Tonis Grund für die Einwanderung in die Schweiz war die Arbeit. Sein Arbeitgeber in Deutschland bot ihm eine bessere Stelle in der Schweiz an. Dafür musste er aber Deutschland verlassen und in die Schweiz ziehen. Toni musste sich das gut überlegen. Er wollte schon in der Schweiz arbeiten, aber seine ganze Familie lebte in Deutschland. Natürlich musste er es auch mit seiner Freundin besprechen.

Da sie aus Taihland kommt, lebte sie ohne ihre Familie in Deutschland. Auch arbeitete sie in Deutschland nicht. Der einzige Grund, den sie nicht so gut fand, war die Sprache. Da sie erst gerade die deutsche Sprache lernte, war es für sie nicht so ideal, in die Schweiz zu ziehen. Sie konnte ja nur stockendes Deutsch. Doch für sie war es kein grosses problem.

Nach einiger Zeit und guten Gründen, in die Schweiz zu ziehen, entschied er sich, das Angebot anzunehmen. Zusammen mit seiner Freundin musste er dies natürlich seinen Freunden und Verwandten mitteilen. Die Reaktionen waren eher positiv, aber auch sehr emotional. Viele Freunde freuten sich für ihn, fanden es aber auch schade, da sie ihn nun nicht mehr so oft sehen würden.

Bei der Familie war es ähnlich. Alle freuten sich über die Nachricht, aber gleichzeitig waren sie auch traurig. Seine Eltern waren auch etwas verunsichert, weil ihr Sohn in ein neues Land ziehen würde. Aber die Schweiz ist ja nicht so weit weg von Deutschland. Alles nicht so schlimm. Die letzten Wochen vor der Abreise waren relativ entspannt. Natürlich wurde er immer nervöser, was auch verständlich ist.

Da er Deutschland wegen der Arbeit verlassen konnte, musste er nicht auf Dinge verzichten, die ihm wichtig waren. Der letzte Tag war dann schon am emotionalsten. Er verabschiedete sich von Freunden und Familienmitgliedern. Dabei flossen auch manchmal die Tränen. Zugleich aber verspürte er eine gewisse Vorfreude, da er ab nun an in der Schweiz leben kann.

In der Schweiz wusste er, dass er eine gute Arbeit hatte. Deshalb hatte er keine Angst, in Geldnot zu geraten. Doch was hat er jetzt alles mitgenommen? Wie ich vorher schon erwähnt habe, konnte er relativ viel mitnehmen, da er nicht aus Not flüchtete. Er hatte genug Zeit, alle seine Sachen zu packen. Doch er musste nicht etwas Zurücklassen, das ihm sehr wichtig ist. 

Zum Beispiel hat er in Deutschland ein Aquarium mit Fischen gekauft. Toni konnte aber dies Problemlos in die Schweiz mitnehmenden. Sowie alle seine Kleider, seine Schuhe und seien Jacken konnte er ohne Probleme mitnehmen. Aber zum Beispiel seinen Kühlschrank oder andere grosse Möbel konnte er nicht mitnehmen.

Seine Erwartungen waren nicht gorss anders als in Deutschland. Er wusste, dass die Schweiz teurer ist. Doch er wurde auch bei seinem Job besser bezahlt, und deswegen hob sich das dann auf. Da Toni geschäftlich in die Schweiz zog, finanzierte das Geschäft auch den ganzen Umzug. Auch aus diesem Grund konnte er seinen meisten Gegenstände mitnehmen.

Der letzte Tag begann nun. Toni hatte eine unruhige Nacht, da er Morgen umziehen würde. Doch seine Vorfreude war stark zu spüren. Natürlich kamen seine engsten Familienmitglieder und seine drei besten Kollegen zu ihm, um Ihn zu verabschieden. Doch die drei Freunde halfen ihm sogar, beim Umzug.

Der Umzug

Sie fuhren mit ihm zusammen in die Schweiz und halfen ihm, alles auszuräumen. Seine Eltern fuhren auch in die Schweiz, einfach nicht in zur gleichen Zeit. Die Fahrt verlief entspannt. Manchmal wurde sie von Staus ein bisschen aufgehalten, aber sie hatten es ja nicht eilig. Da Tonis Freundin noch nie in der Schweiz war, konnte sie nicht so gut wie Toni entspannen.

Als sie die Schweizer Grenze überquerten, fiel ihnen auf, dass die höchsterlaubte Geschwindigkeit 120 km/h ist. Und das nur auf der Autobahn, doch für Toni spielte das nicht so eine grosse Rolle. Er raste schon manchmal gerne, aber das könnte er dann ja, wenn er seine Familie und Freunde, die in Deutschland leben, machen.

Als sie ihr Umzugsauto auftanken mussten, erschraken sie gerade ein bisschen. Das Benzin und die Nahrungsmittel, die man an der Tankstelle kaufen kann, sind einiges teurer als in Deutschland. Doch daran gewöhnte er sich ebenfalls. Doch sonst hatte er viele gute Eindrücke. Auch aufgefallen ist ihm, dass die Autobahnstrecken um einiges kürzer sind als in Deutschland. Das ist auch der Grund, warum man nur 120 km/h fahren darf, dachte er.

Das fand er viel angenehmer als in Deutschland. Sonst ist der Unterschied nicht riesig. Aus diesem Grund war er relativ entspannt auf der Fahrt. Auch seiner Freundin gefiel es sehr. Sein Arbeitgeber bezahlte ihm ein Zimmer in einem Hotel, bis er eine Wohnung gefunden hat. Deswegen musste er nicht alles mitnehmen, da er davon ausging, dass er etwa zwei bis drei Monate in diesem Hotelzimmer verbringen würde.

Das Einleben

Der Unterschied zwischen Deutschland und der Schweiz ist ja nicht riesig. Deswegen hatte er keine Schwierigkeiten, die Leuze verstehen. Die ersten Wochen lebte Toni in einem Hotel, welches vom Geschäft finanziert wurde, bis er eine feste Wohnung hatte. Toni und seine Freundin bekamen viel Hilfe in der Suche von einer neuen Wohnung. Sogar Tonis Arbeitgeber half bei der Suche mit.

Als er endlich eine Wohnung gefunden hatte, zog er wieder um. Doch da er noch nicht gezügelt hatte, war es kein grosser Aufwand. Die ersten Wochen waren ein bisschen stressig, da er ja eine Wohnung für seine Freundin und ihn suchen musste. Bis heute leben sie noch in der gleichen Wohnung. Natürlich bekamen sie auch Heimweh, doch mit der Zeit ging dieses Gefühl weg.

Zum Glück nahm ihre Siedlung sie sehr nett auf und lernten sie viele Menschen kennen, mit denen sie gut auskamen. Etwa mit 30 Jahren heiratete Toni seine Freundin und sie bekamen mit 40 ihren ersten Sohn. Zwei Jahre später kam ihr zweiter Sohn auf Robin die Welt. Da die beiden Leidenschaft für Fussball entwickelten, traten sie dem Club FC Affoltern bei. Dort hatten sie fast jeden Samstag ein Turnier oder ein Match.

Toni schaute sich regelmässig die Spiele an und machte au so neue Freunde. So lernten sich auch Toni und mein Vater kennen. Die Sprache war am Anfang ein wenig komisch. Sie betonten zum Beispiel das ‚‚ch’’ anders als wir. Dies störte ihn ein bisschen, doch mittlerweile hat er sich daran gewöhnt. Da sich Toni in der Schweiz sehr wohl fühlt, möchte er sie nicht verlasse.

Was ich gelernt habe

Durch das Interview habe ich erkannt, dass es viele verschiedene Gründe für eine Migration gibt. Zuvor dachte ich, dass Menschen nur unter Zwang in ein anderes Land ziehen. Umso mehr hat es mich überrascht, wie entspannt und problemlos Tonis Umzug in die Schweiz verlief. Besonders freut mich, dass er hierhergekommen ist, denn sonst hätte ich Robin nie kennengelernt.

Anfangs nahm ich an, dass seine Familie der Hauptgrund für den Umzug war, doch darüber hatte ich mir zuvor nie viele Gedanken gemacht. Während des Interviews spürte ich, dass Toni die Migration sehr gelassen anging. Er hatte bereits eine sichere Unterkunft, bis er eine Wohnung fand, und sprach ohne grosse Emotionen darüber.

Das hat mich erstaunt, da ich Migration oft mit Herausforderungen und Stress verbinde. Insgesamt finde ich seine Geschichte weniger spektakulär als andere, aber sie zeigt mir, dass Migration nicht immer mit Angst oder schlimmen Umständen verbunden sein muss. Manchmal ist es einfach ein bewusster Schritt für eine bessere Zukunft.

Zukunft

Er teilte mit, dass seine Wünsche für seine zwei Söhne sind. Er hofft, dass sein älterer Sohn seine Lehre weiter durchziehen und diese dann auch erfolgreich abschliessen kann. Für seinen zweiten Sohn wünscht er sich, dass er die Lehre erfolgreich starten kann. Auch hofft er, dass die Lehre seinem Sohn gefallen wird. Ziele hat er selbst keine grossen.


Dieser Text wurde von Linus im Wahlfach Bloggen 24/25 verfasst.

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