Ach ja, der Herbst, was für eine schöne Jahreszeit! Mit all den Farben, den Gerüchen und dem Wetter, das geradezu verlangt, es sich zu Hause mit einer Tasse Tee und einem guten Buch gemütlich zu machen.
Doch nicht für alle bedeutet der Herbst eine entspannte Zeit. Denn während sich die Bäume im Wald langsam, aber sicher auf die kalte Jahreszeit vorbereiten und Igel sowie Murmeltiere den perfekten Schlafplatz einrichten, gibt es ein Nagetier mit süssen Knopfaugen und einem buschigen Schwanz, das noch immer nichts gefunden hat. Nein, kein Eichhörnchen und auch keine Maus. Es ist ein Siebenschläfer.
Normalerweise beginnt der Winterschlaf der Siebenschläfer schon im September. Doch nicht jeder findet rechtzeitig ein passendes Plätzchen oder kann sich über den Sommer genügend Fettreserven anfressen, um den Winter zu überleben. Dazu gehörte bis vor Kurzem auch Beethoven.
22.00 Uhr nachts, in einem etwas älteren Bauernhaus. Die letzten Lichter werden gelöscht und rauben den Fenstern ihren Schein. Draussen, in der dunklen und stürmischen Nacht, bahnt sich ein kleines Wesen seinen Weg über die Wiese hinter dem Haus. Als der Himmel droht, auf die Welt hinabzustürzen, kriecht es, durchnässt, völlig erschöpft und am ganzen Leibe zitternd, in den nächstbesten Unterschlupf.
Am nächsten Morgen, nach einer langen und harten Nacht für den Siebenschläfer, wirft die Sonne ihr Licht auf das Haus der kleinen Familie, die sich zum Frühstück versammelt. Als Nächstes steht Gartenarbeit an, denn der Sturm, der in der vorherigen Nacht tobte, brachte so einiges an Ästen und Laub zu Boden.
Nanu, was ist das denn? Gerade als Josefin, die Jüngste der Familie, einen Haufen Laub von dem alten, schon länger nicht mehr benutzten Holzofen neben dem Haus entfernen will, blickt sie plötzlich in ein müde blinzelndes Augenpaar. Mit weit aufgerissenen Augen und einem leichten Schreck fällt Josefin nichts Besseres ein, als die Blätter schnell wieder zurückzustopfen. «Mamaaaaa!!!! Ich glaube, in dem Ofen ist eine Ratte!»
In den nächsten paar Minuten geht alles ganz schnell für die vermeintliche «Ratte». Zuerst wird ihr Versteck aufgedeckt, dann kommt eine Hand, die das kleine, in der Ecke kauernde Wesen packt und so festhält, dass jegliches Zappeln und sonstige Befreiungsversuche nichts nützen.
Zum Glück sind solche Besucher für die Familie nichts. Schliesslich ist dieser Ofen ein Superversteck und idealer Überwinterungsort. Doch ein so elendes und mageres Tierchen haben sie noch nie gesehen. Also beschliessen sie, es aufzunehmen und mit Tipps und Tricks aus dem Internet zu füttern und zu pflegen.
Nach einer Weile nennen sie ihn Beethoven, denn wenn er einmal eingeschlafen ist, kann ihn nichts und niemand aus der Ruhe bringen.
Dieser Text ist im Rahmen der Impulswerkstatt September/Oktober 2025 von Myriade entstanden. Dafür stehen vier Bilder, der Begriff «Felder» sowie das Zitat «Der reissende Strom wird gewalttätig genannt, aber das Flussbett, das ihn einengt, nennt keiner gewalttätig.» (Bertolt Brecht) zur Verfügung.
Verfasst wurde er von Melanie im Wahlfach Bloggen 25/26.


Hallo Melanie ! Eine feine Geschichte über den alten Backofen. Wahrscheinlich haben da drin schon etliche Tiere überwintert, vielleicht war auch ein Siebenschläfer dabei.
Du bist die erste aus eurem heurigen Freifach, die einen Text für die Impulswerkstatt geschrieben hat. Das freut mich besonders!
Liebe Grüße
Vielen Dank für die Rückmeldung! Es hat mir sehr viel Spass gemacht den Text zu verfassen, die Bilder waren sehr inspirierend.
Ich finde es eine sehr schöne Vorstellung, dass irgendwo da draussen ein Siebenschläfer in so einem Backofen eine Unterkunft finden kann.
Es freut mich sehr das Ihnen der Text gefällt.
Liebe Grüsse, Melanie
Ich fand die Geschichte sehr spannend und habe ganz vergessen das Siebenschläfer auch noch existieren, dazu fand ich es noch ansprechender weil einige Wörter fett sind und Emotionen eingebracht wurden.
Ja, die Siebenschläfer hatte ich vorher auch total vergessen, doch über eine Werbung für den Zoo, kamen sie mir wieder in den Sinn. Vielen Dank für den lieben Kommentar.