Die Schulerfahrungen des kleinen Löwen Tironisos

Ich bin der Löwe Tironisos. Ich bin 10 Jahre alt, bei uns Löwen ist das anders als bei euch Zweibeinern. Wir müssen schon mit 10 Jahren in die erste Primarschule. Und das heisst, dass ich schon richtig im Trotzalter bin. Das lasse ich meine Eltern richtig spüren und sie lassen es mich dann aber wieder zurückspüren.

Ich bin ein neugieriger Löwe und möchte am liebsten jetzt sofort die Welt erkunden. Meine Eltern halten mich aber immer wieder auf. Sie sind überzeugt, dass ich in die Schule gehen sollte, da ich noch nicht mal auf 10 brüllen kann.

Da möchte ich aber nicht hin. Ich bin sehr misstrauisch gegenüber anderen Junglöwen und habe auch sonst nicht so gerne Kontakt mit anderen meiner Art. Im Kindergarten wurde ich immer ausgeschlossen und sogar gemobbt, da ich nicht so stark und so gross wie die anderen war.

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Noch eine Woche Sommerferien, dann muss ich in die Schule. Aber, wie zuvor erwähnt, das finde ich gar nicht toll! Meine Eltern haben mich gegen meinen Willen für die erste Kraulschule, wie sie bei uns heisst, angemeldet. Ich hatte mich schon oft wegen solcher Sachen mit ihnen gestritten, aber es war nach nie so schlimm wie an diesem Tag. Meine Mutter begann mich sogar zu schlagen, bis mein Vater endlich dazwischengegangen ist.

Danach haben wir uns so lange ignoriert, bis ich in die Kraulschule musste. Ich habe während dieser Zeit nie mein Bett verlassen. Doch an meinem ersten Schultag packte mich mein Vater mit seinen Pranken und schleppte mich bis zur Schule. Dort übergab er mich dem Lehrer, der mich mit Freuden entgegennahm.

Auf dem Weg zum Schulzimmer fragte er mich, was mit meinem Vater und mir los sei. Ich brüllte „Mein Vater und meine Mutter zwingen mich, in diese Schule zu gehen“. Er meinte: „Die Schule ist doch nicht schlimm!“ „Es liegt nicht an der Schule, sondern an den Kindern. Ich bin im Kindergarten gemobbt worden und habe noch Monate danach darunter gelitten.“

Der Lehrer kam etwas näher und sagte: „Die Schule ist nicht zum Lernen da, sondern auch um Kindern wie dir zu helfen“. Ich schaute den Lehrer ungläubig und mit grossen Augen an. „Komm, lass uns ins Schulzimmer gehen. Du wirst in der Nähe meines Pults sitzen. So kann ich schauen, was gesagt wird, wenn Jungs oder Mädels an dir vorbeigehen.“ Als wir im Schulzimmer angekommen waren, begannen die anderen Schüler zu tuscheln.

Das bemerkte Herr Bachmann, mein Lehrer, und fragte sofort nach, was los sein. Die Schüler wurden sofort still und sagten keinen Ton mehr. Der Lehrer wandte sich an Sebastian: „Ich möchte von dir jetzt eine Antwort, und zwar eine ehrliche Antwort. Sonst kannst du direkt zum Schulleiter gehen“. Wie aus der Pistole geschossen antwortete er: „Wir haben gewettet, ob dieses Weichei zu uns in die Klasse kommt. Das mussten wir natürlich besprechen“.

Herr Bachmann schaute sehr streng in die Runde und fragte die anderen Schüler, ob das stimme, was Sebastian gesagt hatte. Dann wandte er sich wieder zu mir: „Also, hier ist dein Platz, Tironisos“.

Der Unterricht war sehr langweilig und ich schlief fast ein. Als es dann endlich zur Pause klingelte, schnappte ich meine Znünibox und ging auf den Pausenplatz. Ich schaute mich nach einem ruhigen Platz um. Dort packte ich mein Pausenbrot aus und biss genüsslich hinein.

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Plötzlich kamen zwei Jungs und ein Mädchen zu mir und schlugen mir das Pausenbrot aus der Hand. Es kam noch schlimmer. Sie traten mich und schlugen mich, bis ich blaue Flecken hatte. Ich trat noch vor dem zweiten Klingeln ins Schulhaus und suchte meinen Lehrer. Als er mich sah, fragte er mich: „Wurdest du zusammengeschlagen?“

Der Lehrer meinte zu mir: „Wir sollten ein Elterngespräch machen, um deine Situation deinen Eltern von einer Lehrperson zu beschreiben. Ich werde eine Brüll-Nachricht für deine Eltern brüllen und dann schauen wir weiter. Bis dahin musst du nicht in die Schule kommen, du darfst aber jederzeit auf mich zukommen, wenn etwas ist.“

Ich bedankte mich bei meinem Lehrer und fügte noch hinzu, ob er möglichst zeitnah meinen Eltern eine Brüll-Nachricht schreiben könnte, da sie mir sonst nicht glauben würden. Der Lehrer sagte: „Natürlich mache ich das und jetzt packe deine Sachen, dann sehen wir uns am Elterngespräch wieder“.

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Ich packte meine Sachen und ging nach Hause. Unterdessen hatte es geklingelt und alle kehrten ins Schulhaus zurück. Ich bekam komische Blicke zugeworfen und machte mich aus dem Staub. Auf dem Nachhauseweg gingen mir viele Sachen durch den Kopf und ich wusste gar nicht, woran ich denken sollte. Unter anderem überlegte ich, was ich meinen Eltern sagen sollte, wenn ich zu Hause ankam.

Und dann stand ich bereits vor der Tür und grübelte, ob ich jetzt schon klingeln oder warten sollte, bis die Schule aus war. Schliesslich entschied ich mich zu warten, weil ich solche Angst vor dem Gebrüll meiner Eltern hatte.

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Ich sass also nur da und starrte Löcher in den Himmel, bis ich ein sanftes „Hallo“ hörte. Ich zuckte zusammen und drehte mich langsam um. Zum Glück war es nur meine Mutter, die mich vermutlich gesehen hatte, als ich vor der Haustür stand. Sie sagte in einer weichen Stimme „Komm lass uns hineingehen, ich habe dein Lieblingsessen gekocht“. Ich zwang mir ein Lächeln aufs Gesicht und ging mit ihr hinein.

Drinnen stieg mir der leckere Geruch von rohem Ochsen in die Nase und ich beeilte mich, möglich schnell am Esstisch zu sitzen. Dann brachte Mama den leckeren Ochsen mit einer Blutsosse, so wie ich es am liebsten mochte. Da ging plötzlich die Tür auf und Papa kam hineingeschossen und entschuldigte sich für die Verspätung, denn Mama mag es gar nicht, wenn man zu spät zum Essen kommt. Papa nahm Platz und wir assen zusammen.

Nach dem Essen erzählte ich alles meinen Eltern, die nur neben mir sassen und den Mund vor Überraschung gar nicht mehr zubekamen. Als ich mit meinen Erzählungen fertig war, fragten sie, warum ich nicht früher zu ihnen gekommen sei, wir hätten diese Situationen doch besprechen können. Ich antwortete, dass mir der Mut gefehlt hatte, weil sie mich früher immer abwimmelten, wenn ich ihnen davon erzählen wollte.

Danach überschütteten sie mich mit Umarmungen, drückten mich an sich, bis ich mit genervter Stimme sagte: „Ist doch jetzt mal gut, ich weiss, dass ihr mich von ganzem Herzen mögt“. Ich verschwand nach der Diskussion direkt in meinem Zimmer, um darüber nachzudenken, was ich jetzt bis zum Elterngespräch unternehmen sollte.

Zwei Tage später traf die Brüll-Mail meines Lehrers ein. Meine Eltern schrieben daraufhin fleissig mit ihm, um ein passendes Datum zu finden. Nach Hin und Her wurde das Gespräch mit meinem Lehrer auf den 11. September vereinbart und der Tag rückt immer näher und näher.

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Alls es dann so weit war, ging ich mit meinen Eltern in die Schule und der Lehrer empfing uns freundlich. Er sagte, wir würden ins Schulzimmer gehen, um dort in Ruhe zu reden. Der Lehrer fing an und erklärte nochmals die ganze Situation mit dem Mobbing.

„Ich habe mir schon einige Möglichkeiten überlegt, wie es mit Tironisos weitergehen könnte. Die erste Variante, wir versuchen es erneut mit der Klasse. Ich schicke den Eltern der betroffenen Schüler eine E-Mail. Darin fordere ich sie auf, ihr Kind davon abzuhalten so weiterzumachen, da es sonst Konsequenzen geben wird.

Die zweite Variante wäre, dass ihr Sohn Privatunterricht von einem guten Kollegen von mir bekommt. Er könnte bei Ihnen zu Hause oder in seinem kleinen Schulzimmer unterrichten. Ich würde ihnen gerne seine Nummer und die Brüll-Mail angeben. Was sagen Sie dazu?“

Mein Vater ergriff das Wort und stimmte der zweiten Variante zu. Ein Privatlehrer könne auch gut auf seinen Sohn eingehen, was sicher das Beste wäre. Meine Mutter fand dies auch eine gute Idee und sie einigten sich mit meinem Lehrer und mir darauf.

Der Lehrer suchte die Karte von seinem Lehrerkollegen heraus und da keine offenen Fragen mehr bestanden, verabschiedeten wir uns und meine Eltern bedankten sich überschwänglich und hundertmal bei meinem Lehrer.

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Wieder zu Hause nahmen sie sofort den Laptop hervor und schrieben Herrn Gross eine Brüll-Mail. Sie schrieben ihm, dass sie ihren Sohn von ihm unterrichten lassen wollten, warum und durch wen sie auf ihn gekommen waren.

Einige Tage später kam eine Brüll-Mail zurück. Herr Gross schlug einen Gesprächstermin vor, um die Einzelheiten zu besprechen.

Am Gespräch redeten und redeten die Erwachsenen. Ich habe mich sehr gelangweilt und bin fast eingeschlafen. Plötzlich sprach mich der Lehrer an und fragte mich irgendwelche komische Sachen, ich antwortete verschlafen und sehr müde. Mein Vater meinte, dass er die Fragen beantworte, da ich ja beinahe im Stehen einschlafe. Später erwachte ich zu Hause in meinem Bett.

Als ich in die grosse Höhle kam, sassen meine Eltern auf dem Sofa. Ich setzte mich zu ihnen und fragte, was ich verpasst hatte. Sie schauten sich nur an und nickten dann. Mein Vater ergriff das Wort und meinte, dass ich in einer Woche meinen ersten Schultag in der neuen Schule haben würde. Meine Stimme war weg, als ob sie gestohlen worden wäre und ich fand sie erst nach 30 Sekunden wieder. Ich antwortete: „Cool, ich freue mich auf meinen neuen Lehrer“.

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Die Woche war megaschnell vorbei und meine Eltern begleiteten mich zu meinem neuen Lehrer. Er wartete schon gespannt unten beim Eingang. Nachdem er uns begrüsst hatte, gingen wir ins Klassenzimmer. Dort standen fünf kleine Einzeltische, auf einem stand mein Name mit einem Etui.

Herr Gross fragte, ob meine Eltern noch bisschen bleiben wollten. Sie antworteten: „Wenn es unserem Sohn nichts ausmacht …“. Ich antwortete, eine Stunde sei okay für mich. Danach nahm er einen Umschlag hervor und sagte, er habe diese Sachen von meinem alten Lehrer erhalten. Er gab mir einen Stundenplan, erklärte mir, welches Material ich mitnehmen musste.

Nachdem sich meine Eltern verabschiedet hatten, unterhielten sich mein neuer Lehrer und ich über meine Vergangenheit und wie ich mich bisher in der Schule gefühlt hatte. Schnell war der erste Morgen an der neuen Schule vorbei und ich kehrte zum Mittagessen nach Hause zurück.

Neugierig empfingen mich meine Eltern und fragten mich sofort aus, wie es mir ergangen war. Meine Antwort folgte wie aus der Pistole geschossen: „Herr Gross ist megacool und auch das Schulzimmer gefällt mir super“. Meine Eltern strahlten über das ganze Gesicht und freuten sich für mich.

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Als ich am Nachmittag ins Schulzimmer zurückkehrte, sass der Lehrer bereits auf seinem Stuhl und empfing mich mit einem Lächeln im Gesicht. Ich begrüsste ihn und wir begannen zum ersten Mal mit «richtigem» Unterricht. Mathe war angesagt. Er gab mir das Buch, setzte sich neben mich, und erklärte mir ganz ausführlich, wie die erste Aufgabe funktionierte.

Danach liess er mich arbeiten und er kehrte an seinen Lehrerplatz zurück. Ich las die Aufgabe genau durch und begann sie zu lösen. Ich kam schnell voran und löste auch die nächsten Aufgaben problemlos. Herr Gross war sehr beeindruckt von meiner Leistung und als ich ihm die erste Aufgabe zum Korrigieren gab, meinte er, er würde mir jetzt etwas schwierigere Aufgaben geben.

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Das war der erste Teil des kleinen Löwen Tironisos. Die Fortsetzung dieser Geschichte lautet Tironisos und die ersten Schritte ins Berufsleben.

Wenn du Fragen oder Vorschläge hast, wie sich die Geschichte weiterentwickeln sollte, kannst du mir diese gerne in den Kommentaren hinterlassen.

3 Antworten auf „Die Schulerfahrungen des kleinen Löwen Tironisos“

  1. Sehr traurige, aber auch gleichzeitig eine wundervolle Geschichte.
    Am Anfang war ich wirklich geschockt, da ich Mobbing gar nicht mag und das Zusammengeschlagen hat mich noch mehr geschockt.
    Am Ende wurde es sehr wundervoll, da niemand mehr Tironisos mobbte.
    Ich freue mich auf den zweiten Teil!

    1. Hallo Nisa
      Danke für deinen tollen Kommentar.
      Ich wollte mit der Geschichte einfach mal zeigen, dass Mobbing nichts ist, was man machen sollte.
      Danke für deine tolle Rückmeldung.
      Lg yanic

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