Verlaufen im Wald (Impulswerkstatt)

Seit ich ein kleiner Junge war, habe ich meinen Eltern immer in der Pizzeria beim Backen geholfen. Auch an Tagen, an denen ich keine Lust hatte, habe ich mitgebacken. Meine Freunde haben mich immer gefragt, ob ich raus zum Spielen käme, aber leider musste ich immer nein sagen.

Eines Tages hatte ich jedoch genug und schlich mich aus der kleinen Pizzeria. Ich wollte unbedingt mit meinen Freunden Fussball spielen.

Als wir den Ball hin- und herpassten, hörte ich plötzlich meinen Namen rufen. Ich wusste genau, wer das war: meine Mutter. Ich ahnte, dass ich in Schwierigkeiten steckte, und rannte so schnell ich konnte in den Wald. Ich hörte, wie meine Mutter zu meinen Freunden lief und sie meinetwegen anschrie.

Plötzlich blieb ich stehen und sah mich um. Bäume, überall Bäume um mich herum. „Wo bin ich überhaupt?“, murmelte ich, als mir klar wurde, wie weit ich schon gelaufen war. Langsam bekam ich Angst und sah auf die Uhr, es war schon sieben Uhr abends. Unsicher lief ich weiter, immer tiefer in den Wald hinein.

Der Wind wurde stärker. Immer wieder warf ich nervöse Blicke auf die Uhr, bis ich schliesslich ein kleines Haus entdeckte. Hoffnungsvoll rannte ich darauf zu und schaute mich um. „Ein Backofen? Der sieht aber ziemlich alt aus, als würde ihn niemand mehr benutzen.“ Ich fragte mich, ob hier wirklich jemand wohnte.

Ich lief zur Haustür und klopfte dreimal. Eine ältere Frau öffnete die Tür und schaute mich mit grossen Augen an. „Wer bist du denn?“, fragte sie mit müder, aber freundlicher Stimme. „Ich bin Max“, antwortete ich nervös. „Können Sie mir sagen, wie ich hier wieder rausfinde?“ Sie zeigte mit ihren schrumpeligen Fingern nach rechts: „Wenn du etwa sechs Minuten geradeaus läufst und danach links abbiegst, kommst du zu einer Strasse mit einem Zebrastreifen.“ Ich bedankte mich und machte mich sofort auf den Weg.

Nach einer Weile sah ich tatsächlich die Strasse und rannte erleichtert nach Hause. Als ich ankam, schloss mich meine Mutter fest in die Arme. „Ich habe mir solche Sorgen gemacht! Wo warst du nur?“, rief sie.

Ich setzte mich an den Esstisch und erzählte ihr alles.


Dieser Text ist im Rahmen der Impulswerkstatt September/Oktober 2025 von Myriade entstanden. Dafür stehen vier Bilder, der Begriff «Felder» sowie das Zitat «Der reissende Strom wird gewalttätig genannt, aber das Flussbett, das ihn einengt, nennt keiner gewalttätig.» (Bertolt Brecht) zur Verfügung.

Verfasst wurde er von Kunsel im Wahlfach Bloggen 25/26.

2 Antworten auf „Verlaufen im Wald (Impulswerkstatt)“

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